Die falschen Schubladen der Rechten

800px-HaremPool.jpg

Bild: Wikipedia

Der leider sehr bekannte neurechte Blog AlllesSchallundRauch schrieb neulich einen Beitrag, den wohl ein Großteil der „besorgten Bürger“ begeistert unterschreiben würden. Da heißt es, dass es ja eine ewige Regel der Menschheit sei, sich anständig gegenüber dem Gastgeber zu verhalten. Darum müsste unbedingt jeder kriminelle „Ausländer“ radikal abgeschoben werden. Unterlegt wurde diese nur auf den allerersten Blick sinnvolle Forderung mit einer Statistik, die in einer schweizer Zeitung erschien, die besagt, dass verhältnismäßig gesehen Tunesier und Syrer drei bis 10 mal so oft sexuell übergriffig seien.

Ich kann verstehen, warum solche Argumente manchen Leuten ungeheuer logisch erscheinen: Klar, drei bis zehn mal so viele Übergriffe, das ist deutlich, das Problem muss also in der Kultur der Tunesier liegen. 

Und wenn sie hier schon eingelassen werden, warum benehmen sie sich dann nicht? Logisch.Aber warum wird eigentlich von SchallundRauch und den „Besorgten“ genau dieser Statistik geglaubt, während bei jeder anderen Statistik, die einem nicht passt, darauf hingewiesen wird, dass man nur den Statistiken glaube, die man selbst gefälscht habe? Ich behaupte nicht, dass man über das Thema nicht nachdenken sollte, ich meine aber, dass der Schein oft trügt. So ist nachgewiesen, dass Leute mit dunklerer Hautfarbe eher angezeigt werden als „Weiße“. Wurde die soziale Lage mit einbezogen? Das ist wichtig. Andere, (sorgfältig gemachte!) Statistiken zeigen, dass Ausländer“ eben nicht krimineller sind als „Deutsche“. Die erklärenden Faktoren sind eher Alter, Geschlecht und soziale Lage. Es gibt gut recherchierte Theorien, die mit Hilfe von Statistiken darlegen, dass die Gefahr von Kriegen an der Anzahl von jungen Männern mit wenig Hoffnung auf ein gutes Leben hängen. Wenn es unter Tunesiern und Syrern in der Schweiz deutlich mehr hoffnungslose junge Männer gibt als unter Schweizern, dann muss das in der Statistik beachtet werden. Das macht doch Sinn, oder? Auch gibt es, zumindest in Deutschland (Ausländerkriminalität ist tatsächlich gut erforscht und wird jährlich in der „polizeilichen Kriminalstatistikaufgeführt) bestimmte Gruppen, „harte Kerne“, die besonders kriminell sind. Dazu gehören beispielsweise kriminelle Familienclans in Berlin. Diese treiben die Anteile der „kriminellen Ausländer“ in der Statistik hoch. Diese Clans sind aber ebenso verhasst unter den Migranten.
Aber so etwas ist Leuten wie SchallundRauch wohl zu kompliziert. Ich bin fast sicher, dass er sagen würde, solche Argumente seien Umschweife und Ausweichmanöver. Nein, sind sie nicht. Sie sind nur präzise, und ziehen in Betracht, dass die Dinge eben manchmal anders liegen, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Guten Wissenschaftler ziehen solche Erklärungen ebenfalls in Betracht, prüfen sie und entscheiden dann, welche Erklärung die bessere ist. Klar, vielleicht liegt es ja an der muslimischen oder tunesischen „Kultur“, aber es ist schon komisch, dass die meisten Syrer und Tunesier sexualisierte Gewalt ebenfalls verwerflich finden. Da könnte man doch wenigstens eine andere Erklärung als die „Kultur“ in Betracht ziehen. In Österreich sind Deutsche die Ausländergruppe, die am kriminellsten ist. Woran liegt das? Wäre SchallundRauch und die „Besorgten“ konsequent, würden sie das auf die „Kultur“ der Deutschen zurückführen. Aber in solchen Fällen wird plötzlich differenziert, gute Gründe gesucht.
Eine neuere, wissenschaftlich erstellte (im Gegensatz zur besagten schweizer Studie) Studie zeigt, dass Migranten und „Deutsche“ sehr ähnliche Frauenbilder haben. Vielleicht wurden auch in dieser Studie Fehler gemacht, aber dann muss genau gezeigt werden, was daran nicht stimmt. Einfach nur zu behaupten, das sei Lüge ist ein billiger Ausweg. Mindestens ist diese Studie deutlich differenzierter und präziser als SchallundRauchs Lieblings“studie“.
Vielleicht ist alles auch ein wenig anders: Zwar gibt es wohl so etwas wie eine „ewige Regel“, dass sich Gäste gegenüber ihren Gastgebern ordentlich benehmen sollen (ganz abgesehen davon, dass sich alle immer anständig benehmen sollten). Aber es gibt genau so umgekehrt die Regel, dass Gäste respektvoll und anständig behandelt werden sollten, von den Gastgebern. Aber tun das „die Deutschen“ gegenüber „den Flüchtlingen“? Letztes Jahr gab es über 900 Anschläge auf Flüchtlingseinrichtungen. Nazis haben ein Kind krankenhaus geprügelt. Wie viele Terroranschläge gab es bisher durch Islamisten in Deutschland? Glücklicherweise noch keinen einzigen. Na gut, es gab ein paar vereitelte Versuche (es wäre schön, wenn der Staat sich bei den Nazis genau so viel Mühe geben würde). Also machen wir einfach der Einfachheit halber einen islamistischen Anschlag daraus. Das heißt, über den Daumen gerechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Deutsche gegen Flüchtlinge Anschläge verüben, ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung gesetzt, etwa Elf zu Eins steht. Woran liegt das? An der „Kultur“ der Deutschen? Das wäre die umgedrehte Rechnung der „Besorgten“. Und das ließe sich auch sehr gut geschichtlich belegen.

Und wie fühlt sich das an? In den gleichen Topf geworfen werden, mit Arschlöchern die zur eigenen Gruppe gezählt werden? In Verbindung gesetzt durch die „Kultur“, die angeblich wie eine Wesensessenz allen Menschen der jeweiligen Nationalität, äh, Religion, innewohnt? Diesen Fehler machen Besorgte dauernd: Kultur ist nichts homogenes. Genau so wie es in Deutschland Reiche und Arme, Doofe und Kluge, Rechte und Linke und „Unpolitische“ gibt (die sich letztendlich sehr oft doch als rechtsdrallig herausstellen), so gibt es sie auch woanders.

Ich will auch nicht im Entferntesten sagen, dass diese Grabscher und Vergewaltiger keine Arschlöcher sind, die hart bestraft gehören. Genau so wenig bin ich ein Fan von Religionen wie dem Islam und dem Christentum. Mit Sicherheit ist es auch so, dass in zu vielen Koranschulen schlechte Ansichten gelehrt werden. Das Ganze gehört differenziert diskutiert, und das wird auch getan. Kriminalität und sexualisierte Gewalt muss bekämpft werden. Auch spezifisch islamische Probleme müssen spezifisch angegangen werden. Kein Zweifel.  Aber einfach nur alles pauschal auf den Islam zu schieben, funktioniert nicht. In islamisch geprägten Ländern wurden schon acht weibliche Staatsoberhäupter gewählt. Das sind (so viel ich weiß) mehr als in den westlichen Ländern. In der Türkei gibt es mehr Frauen im Parlament als in den USA. Es gibt eine ganze Reihe feministischer Muslima, die überzeugend ihre Feminismus auf dem Koran begründen. Warum glaubt man dann ungeprüft und einseitig nur Autoren wie Abdel Samad die behaupten, dass der Islam nicht anders kann als böse zu sein?

Ich möchte auch wissen, warum genau diese „ausländischen“ Arschlöcher anders bestraft werden sollen, als deutsche Arschlöcher? Ist es eine Leistung, in Deutschland geboren zu werden? Man ist doch sowieso schon dadurch privilegiert, ohne etwas dafür getan zu haben. Das Wichtigste ist aber: Genau diese Grapscher und Übergreifer sind Arschlöcher. Warum werden mit Ihnen noch ein ganzer Haufen anderer Leute zur gleichen Gruppe gezählt, die mit den Arschlöchern genau so wenig zu tun haben, wie SchallundRauch (hoffentlich) mit kriminellen Deutschen in Österreich.

 

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Neuer Rassismus, Unsortiert abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s