Wie mich Louis CK dazu brachte, freiwillig für seine Kunst zu bezahlen

 

800px-Louis_CK_2012_Shankbone

Bild: Wikipedia

Der Komiker Louis CK ist ein schlauer Kerl. Neulich hat er mich sogar dazu gebracht, für eine seiner Sendungen fünf Dollar zu bezahlen, obwohl ich sie sicher irgendwo in den Tiefen des Internets ohne zu bezahlen ansehen hätte können. Wie hat er mich überzeugt?

Zum einen finde ich, dass fünf Dollar ein fairer Preis ist. Eine Platte von Coldplay kostet derzeit 18 Euro. Und die haben neulich 64 Millionen Dollar innerhalb eines Jahres verdient. CK dagegen hat zwar neulich eine dreiviertel Million Gewinn gemacht, für sich behalten hat er allerdings gerade einmal ein Drittel davon. Den Rest schüttete er an sein Team und an fünf wohltätige Organisationen aus.

Ich habe nichts dagegen, dass es Menschen finanziell gut geht. Ich habe aber etwas dagegen, 18 Euro zu bezahlen, wenn jemand sowieso schon so sehr in Geld schwimmt, dass noch mehr nur  noch eine Villa und noch eine Jacht bedeuten kann, während für mich selbst die Geldnot ein belastendes Dauerthema ist. Es ist ja noch nicht einmal so, dass viel Geld Menschen glücklicher machen würde. Dafür macht zu wenig Geld unglücklich. Das gilt mindestens für mich, aber auch für den Großteil der Menschen, wie eine Studie neulich nachgewiesen hat. Wie kann es dann unfair sein, wenn ich Musiker wie Coldplay lieber illegal herunterlade?

Aber vielleicht passt mir diese Ansicht ja auch nur, weil ich keine Lust habe, Geld für etwas zu bezahlen, was ich auch umsonst bekommen kann, weil ich lieber „freeriden“, also trittbrettfahren möchte. Aber dann würden ich und die anderen 200000 Menschen, die CK gerne bezahlen, uns doch eine Möglichkeit suchen, nicht zu bezahlen und dennoch in den Genuss seiner Witze zu kommen. Die Erklärung des Trittbrettfahrens kann also nicht ganz stimmen.

Ständig liest man Lamentos über den Egoismus von Raubkopierern und Nutzern von Streamingdiensten. Bekannt wurde die „Wutrede“ des Sängers von „Element of Crime“ Sven Regener. Im Grunde sei das nichts anderes, als dass man Leuten wie ihm „ins Gesicht pinkelt, und sagt, euer Kram ist eigentlich nichts wert“. Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgehe, sei selbst nichts wert, sprach er in seiner heiligen Wut. Regener hat Recht, wenn er betont, dass Firmen wie Google mit seinen Werken viel Geld machen, und es ist nachvollziehbar, warum er nicht einsieht, davon nichts zu bekommen. Sein Argument mag auch passen, bezogen auf Leute mit viel Geld. Aber die vielen, die jeden Cent sauer verdienen müssen, finden wiederum oft, dass sich der Moment, in dem man reichen Säcken goldene Wasserhähne finanziert, anfühlt wie ein goldener Schwall ins Gesicht. Sie werden mit gutem Grund trittbrettfahren, solange sie es können. Darum sehe ich nicht ein, sie pauschal zu verurteilen. Fairness kann nur beidseitig gelten. Das Ganze lässt sich nicht sinnvoll lösen, indem pflichtschuldigst Coldplay ein weiterer Swimming-pool finanziert wird. Das Problem liegt nicht primär bei Leuten, die nicht bezahlen wollen, sondern an der kapitalistischen Art Reichtum zu verteilen (Gähn, aber wahr!). Sie schafft extreme Ungleichheiten, die nur in Einzelfällen, quasi  zufällig, gerecht sind.

Was wäre denn eine gerechte Verteilung? Ein Vorschlag, denn die Theoretiker Robin Hahnel und Michael Albert machen ist der: Gerecht ist, die Menschen nach ihrem Einsatz zu bezahlen, also nach der Mühen und Sorgen, die sie investiert haben. Wie könnten aber Coldplay 20000 mal so viel Mühe investiert haben wie mein Nachbar, der sich mit Straßenmusik durchs leben schlägt, aber dennoch Tag für Tag viele Stunden übt und sich durchs Leben kämpft? Hier stimmt etwas grundsätzlich nicht.

Der richtige Weg kann nur die Suche nach einem Alternativkonzept sein. Louis CK macht damit einen Anfang. Möglicherweise ist das Existenzgeld oder eine Art echter Sozialismus die Lösung. Filesharer zu shamen ist es jedenfalls nicht.

(Raubkopieren ist illegal. Die vorliegende Diskussion ist rein philosophisch und soll nicht als Aufforderung oder Eingeständnis verstanden werden, die Copyrightgesetze zu umgehen. Außerdem benutze ich sowieso Netflix)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Lösungsvorschläge, Unsortiert abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Wie mich Louis CK dazu brachte, freiwillig für seine Kunst zu bezahlen

  1. kunstbanause schreibt:

    gehe Grundsätzlich mit.
    Aber: Ich hab keine Ahnung was coldplay als Dauerbeispiel mit ihrem Geld machen. Als kurzer Denkanstoss muss reichen: sie beschäftigen in ihrem „Betrieb“ wahrscheinlich locker 2000 Leute, die alle mehr verdienen wollen als dein Straßenmusikernachbar.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s