Formen der Wirklichkeit und Erfahrung

[Unsere Autorin] 0004320505_0001_170Frau Wyrdguth hat im echten Leben ein Buch geschrieben. Dies ist nun erhältlich. Sie lesen einen Beitrag zur Produktinformation.

Wir leben heute immer noch in einem Deutschland mit seiner Geschichte und all seinen Widersprüchen, aber zugleich auch in einer postkolonialen Welt, die sowohl als riesiges globales Netzwerk als auch als eine Ansammlung von Dörfern erscheint. Viele von uns sind daran gewöhnt, Subjektivität als historisches und politisches Konstrukt zu verstehen und Identität als etwas prinzipiell Fließendes und Variables, das zudem durch die eigenen Tätigkeiten und das Selbstverständnis der eigenen Rolle mit hervorgebracht wird.

Während wir aber diese Erkenntnisse theoretisch anerkennen und für richtig halten, denken wir in anderen, alltäglichen Hinsichten immer noch so, wie man denkt, wenn man sich selbst als ein feststehendes Subjekt versteht mit einer essentiellen Identität, die entweder von vornherein existiert, festgehalten oder gefunden werden muss, oder die zu sich selbst kommt, indem eine bereits bestehende Wahrheit erst verwirklicht wird. Denn die Tradition, die unser Denken prägt, arbeitet mit Formbegriffen, die Statik statt Dynamik vertreten, Wesen statt Werden, die das Ding an seinem Bild messen und nicht daran, wie es wirkt. Diese Formbegriffe prägen unser wissenschaftliches und unser alltägliches Denken. Es hat natürlich immer philosophische Strömungen gegeben, die anders mit dem Konzept der Form umgegangen sind, doch haben sie sich nie in den ‚Mainstream‘ durchgesetzt. Heute sieht das anders aus, und darum lohnt es sich, an Konzepte anzuknüpfen, die bereits auf einem ganz anderen Niveau ausgearbeitet sind, als wir es heute könnten. Das gilt für die Arbeiten von Bergson, von Cassirer und ganz besonders für den wilden, unzugänglichen Denker Whitehead.

Wir brauchen diese Philosophen nicht nur für unser Wissenschafts- und Alltagsverständnis, für das philosophisches Denken stets die heimliche, halb vergessene Grundlage gebildet hat; wir brauchen sie auch und vor allem für unser Selbstverständnis und die Frage, wie wir leben wollen. Das Denken von Bergson, Cassirer und Whitehead zeichnet unter anderem eine echte Liebe zum Menschen aus, die nicht künstlich gewollt ist, sondern in der Sache des Denkens verwurzelt. Denn Menschen werden nicht in erster Linie als handelnde Subjekte, Akteure o. ä. gedacht, sondern als lebendige, leidende, erfahrende Wesen, die altern und sterben, die in der Zeit und mit der Erinnerung leben und erst auf Grund dessen zum Handeln fähig werden.“

http://www.verlag-alber.de/vorschau/details_html?k_tnr=48735&k_onl_struktur=712809

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