Tango Subversivo

– Tango kann lustigerweise hierarchische Rollenmuster aufbrechen. Er kann befreien.

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Volcada.jpg

Beim Tango isch die Frau die Königin! Du duhsch zwar, was der Mann sagt, aber Du bestimmsch wie!“ So sprach „die Anne“ (Name vom Autor geändert) bei der Anfängermilonga letzten Freitag im „A13“. Obwohl oder weil ich selbst Schwabe und kleinbürgerlicher Abstammung bin, störte mich ihr Kleinbürgerschwäbisch und ihr Auftreten und wie sie über Tango und Geschlechter sprach. „Beim Tango fühlt sich a Frau endlich wiedr als Frau.“, schob sie noch nach. Hat die Anne Recht? Ist der Tango letzendlich so erfolgreich, weil sich so viele nach eindeutigen Rollenmustern sehnen? Bekanntlich ist Tango schon seit Längerem in Mode. Berlin gilt als zweite Tangohauptstadt nach Buenos Aires. Beim Tango gibt es Rollen. Eine Person führt, die andere lässt sich führen. Dabei werden einige grundsätzliche Regeln eingehalten. Zum Beispiel, dass man aufrecht und ein wenig zueinander geneigt steht und geht. Die restlichen Regeln ergeben sich eigentlich aus dieser einen, sowie der Schwerkraft und der menschlichen Anatomie.

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Antisemitismus ohne Juden

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Woran liegen alle Kriege in der Geschichte in den letzten 100 Jahren? Und was ist die Ursache von allem? Und wenn man das halt alles ‘n bisschen auseinander klamüsert und guckt genau hin, dann erkennt man im Endeffekt, dass die amerikanische Federal Reserve, die amerikanische Notenbank – das ist eine Privatbank, dass sie seit über hundert Jahren die Fäden auf diesem Planeten zieht.“ 

Das hat der Hauptorganisator der „Montagsmahnwachen für den Frieden“ vor einiger Zeit einmal gesagt. Ich möchte im Folgenden erklären, warum solche, furchtbar weit verbreitete Vorstellungen ganz schön viel mit Antisemitismus zu tun haben.  Weiterlesen

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Entlohnung nach Einsatz und Verzicht

Das Entlohnungssystems der „Participatory Economics“ von Michael Albert und Robin Hahnel (der Text ist etwas länger) 

pareconMit den technischen Möglichkeiten, die sich die Menschheit heutzutage erarbeitet hat, wäre es prinzipiell möglich, die Erde in einen freundlichen Ort für alle zu verwandeln. Ein zentrales Problem dabei ist aber, dass kapital- wie martkorientierte Wirtschaftsweisen zwar ihre Vorzüge haben, gleichzeitig im Grunde ein vernünftiges Wirtschaften unmöglich machen. Wettbewerb, Machtmechanismen und andere Dynamiken führen zu extremen Ungleichheiten, verbunden mit einem Wachstumszwang und anderen, sehr negativen Effekten. Auch neuere, vielfach diskutierte wirtschaftspolitischen Ansätze, wie die des Wirtschaftswissenschaftlers und Ungleichheitsforschers Thomas Piketty argumentieren ausdrücklich innerhalb kapitalistischer Logik1. Zwar wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass ein unregulierter Kapitalismus seine eigenen Grundlagen zerstört, die Prämissen von Wachstum, Profitorientierung und Konkurrenz werden dabei aber nicht angetastet2. Insofern sind wirtschaftliche Alternativkonzepte dringendst nötig. Für besonders interessant halte ich das Wirtschaftsmodell „Parecon“ (Participatory Economics). Weiterlesen

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Denken als Schulfach

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Foto: Wikipedia

Leider dominieren derzeit die Schreihälse die öffentlichen Debatten. Inbesondere wenn es um die Flüchtlingspolitik und um Fragen der Integration geht. Flüchtlingsgegner und Flüchtlingsbefürworter stehen sich hier in Grabenkämpfen gegenüber und schießen sich auf Extrempositionen der Gegenseite ein. Diesem Grabenkrieg der Meinungen lässt sich nur entkommen, wenn man zumindest grundsätzlich dazu bereit ist, eine relativ neutrale Ebene zu betreten, auf der Argumente unabhängig davon bewertet werden, ob sie einem passen oder nicht. Dazu müsste man sich auf bestimmte Regeln der Logik und der Beweisführung einigen. Diese Regeln müssen schon in der Schule (und zwar nicht nur auf dem Gymnasum) gelehrt werden, ansonsten läuft die Demokratie Gefahr, vollends zur Ochlokratie zu verkommen. So wie in Baden-Würrtemberg bald das Fach „Wirtschaft“ eingeführt wird, könnte das Schulfach „Denken“ eingeführt werden. Weiterlesen

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Die Werte der Aufklärung

 

Das_Wissen_fuer_Alle_2Immer wieder werden sie beschworen, die Werte der Aufklärung, oft ohne sie genau zu bestimmen. Sie werden in Opposition gebracht zu Aberglauben und finsterem Mittelalter und damit gerne genutzt, um eine Überlegenheit des säkularisierten Christentums gegenüber dem nicht ausreichend säkularisierten Islam auszudrücken. Aber auch eine andere Opposition findet sich in letzter Zeit häufig: die Werte der Aufklärung sollen verteidigt werden gegen das „antiaufklärerische“ Projekt von politischer Korrektheit, Sprachzensur und Feminismus.

Ende Februar fand in Iserlohn der 2. Alternative Wissenskongress statt, der so alternativ ist, dass sich nach dem 1. Kongress sogar die Alternative für Deutschland von ihm distanzierte. Dort wird „Klartext statt politisch korrekt“ geredet und „Flagge gegen die gleichgeschalteten Medien“ gezeigt. Weiterlesen

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Solidarische Gesellschaften oder globale Barbarei

Ein Beitrag von Annette Schlemm (Philosophiestübchen)

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„Wir schaffen das“… wahrscheinlich diesmal noch. Griechenland bereitet sich darauf vor, die meisten gestrandeten Flüchtlinge vor der mit Zäunen und Tränengas abgesperrten Balkanroute längerfristig aufzunehmen. Das Einzige, worin sich Europa so gut wie einig ist, ist die Abwehr von Migranten und Flüchtlingen. In Deutschland hatte man das Grundrecht auf Asyl seit 1993 eingeschränkt und durch die Dublin-III-Verordnung sollte eigentlich überhaupt kein Mensch mehr bis nach Deutschland gelangen, der noch einen Asylantrag stellen könnte. Seit Mitte 2015 jedoch ist kein Halten mehr.

Von den über 60 Millionen Geflüchteten in aller Welt gelangen nur ca. 5% nach Europa. Wir haben die weltweiten Tragödien von Krieg, Vertreibung und Flucht lange ignorieren können; wir erlebten die Globalisierung bisher als Exportweltmeister, nicht zuletzt von Waffen, und als Touristen, fern von den Elendsvierteln dieser Welt. Die Dramatik außerhalb unserer Grenzen zeigen einige Fakten: Weiterlesen

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Die absolute Leere und der Schrecken

Maus_Sei_StolzWer hat vielen Kindern in Sachsen in den letzten Jahrzehnten gesagt: „Sei stolz auf dich“? Waren es die Skinheads Sächsische Schweiz? Wer hat mit ihnen Fußball gespielt? Vielleicht „Elbkaida“ oder „Assi Pöbel Dynamo“? Wer hat ihnen Zeltlager organisiert? Die „Heimattreue Deutsche Jugend“? Die Maus war es jedenfalls nicht.

Die Bilder von brennenden Unterkünften und hasserfüllten Menschen, die wir immer häufiger zu sehen bekommen, lösen Traurigkeit aus, Hilflosigkeit, und vor allem heftigen Zorn. Verständlich und auch sinnvoll, diesen zu artikulieren. Doch leider bleibt die Öffentlichkeit dabei stehen, die hasserfüllten Menschen als Menschen abzuwerten, zu beschimpfen und lächerlich zu machen, als seien sie die prügelnde andere Seite in einem Schulhofstreit. Und der Hass wird so weiter geschürt.

Wann haben wir eigentlich verlernt, zu unterscheiden zwischen dem Kampf um Sinn und Inhalte und der Verachtung anderer Menschen? Weiterlesen

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